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Eid

Chronik > 2015 > 2015 SYCHAR Exerzitien

Samstag 3. Jänner 2015, Kartause, II Konferenz: Eid
Zum Bund gehörten immer 3 Dinge: Beide Bundespartner: 1) schwören  einen feierlichen Eid; 2) brachten ein Opfer; 3) hielten ein gemeinsames Mahl;
Ein Eid ist mehr als Versprechen: z.B. mein Ehrenwort oder das Gelübde: z.B. ich gebe Gott mein Wort. Wenn die Menschen einen Eid schwören steht noch mehr auf dem Spiel. Ein Eid ist "die Anrufung des göttlichen Namens als Zeugen für die Wahrheit." (CIC 1199)  Er basiert auf einem Versprechen, doch wer ihn schwört, besiegelt sein Versprechen mit den Worten "im Namen Gottes" oder "so wahr mir Gott helfe." Wenn daher Gottes Name in einem Eid angerufen wird, wird Gott selbst zu einem aktiven Partner in der Sache. (vergl. KKK 2151)
Wer falsch schwört und einen Meineid leistet, begeht - im Namen Gottes - eine schwere Sünde. Beim Propheten Ezechiel lesen wir: "Er hat den Eid missachtet und den Bund gebrochen... Er kommt nicht davon. Darum - so spricht Gott, der Herr: So wahr ich lebe - meinen Eid, den er missachtet und meinen Bund, den er gebrochen hat, ich lasse sie auf ihn selbst zurückfallen." Ez. 17, 18-19
Ein solches Verständnis von Eiden war immer sehr klar. Eid brachte mit sich Segen oder Fluch: Segen, wenn er erfüllt war, Fluch wenn er gebrochen wurde. (J.S. Anderson, The Social Function of Curses in the Hebrew Bible, in: Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft 110, 1998)
Gott selbst hat dies klassisch in der Formulierung seines Bundes mit Israel zum Ausdruck gebracht: "Den Himmel und die Erde rufe ich heute als Zeugen gegen euch an. Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen. Liebe den Herrn, deinen Gott, hör auf seine Stimme, und halte dich an ihm fest; denn er ist dein Leben. Er ist die Länge deines Lebens, das du in dem Land verbringen darfst, von dem du weißt: Der Herr hat deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen, es ihnen zu geben." Dtn. 30, 19-20
Wer immer in den Bund eintritt, muss den Eid mit seinen Bedingungen und Konsequenzen auf sich nehmen. Gott legt ihm Segen und Fluch vor. Die alten Eide waren aber nicht immer in Worte gefasst: Bisweilen wurden sie durch wortlose, physische Zeichen, sozusagen als praktische Eide geschworen, so wenn die Israeliten ihre Söhne beschnitten.
Wir können auf die Eide noch aus eine weltliche Perspektive schauen. Sie sind da. Eide schaffen Welten, gründen Gesellschaften, verbinden Menschen. Ohne Eide wäre ein gesellschaftlich-politisches Leben nicht vorstellbar. Deshalb auch die säkulare Regierungen noch heute ihre Eide in "sakraler Feierlichkeit" und manchmal unter den Augen Gottes schwören. Der griechische Historiker Xenophon schreibt im 5. Jhr. vor Christus: "In jeder Stadt Griechenlands gibt es ein Gesetz, das alle Bürger verpflichtet, unter Eid zu versprechen, einmütig und einträchtig zu handeln. Diesen Eid leisten sie überall."                     
Im Jahr 398 schreibt hl. Augustinus in Nordafrika, dass ein Friede unter den Völkern ohne eidlich geschlossene Verträge unmöglich sein: "Durch die Eide von Barbaren wird der Friede gesichert."       
Der Vater der amerikanischen Nation, George Washington in seiner berühmten Abschiedsrede in 1796 sagte: "Fragen wir uns schlicht und einfach: Wo bleibt der Schutz des Eigentums, des Namens oder des Lebens, wenn den Eiden, die unseren Gerichten als wichtigste Untersuchungsmittel dienen, das Bewusstsein religiöser Verbindlichkeit verlorengeht? Und hüten wir uns zu meinen, die Moral ließe sich aufrechthalten ohne Religion. Welchen Einfluss auch immer eine höhere Bildung auf die Ansichten besonderer Menschen haben mag, so können wir weder der Vernunft noch der Erfahrung nach erwarten, dass die Moral unter Ausschluss des religiösen Prinzips in der Nation zur Geltung kommen wird."
Zum Bund gehört auch ein Opfer. In biblischer Zeit konnte verschiedene Bedeutungen haben: a) ein Akt der Dankes - Ps. 24, 1; Ps. 116, 12; b) ein Opfer als äußeres Zeichen der Reue - wer ein Tieropfer darbrachte, erkannte damit an, dass seine Sünden den Tod verdienten; denn er opferte das Leben dieses Tieres stellvertretend für sein eigenes (Deut. 6, 18); c) ein Opfer als die Besiegelung eines Bundes - Ps. 50, 5; Schauen wir auf das Opfer von Abraham in Gen. 15, 6-10 - Gott fordert Abraham auf und er gehorcht und bringt alle Tiere, dann fährt er ohne ein Wort der Erklärung fort, "zerteilt sie und legt je eine Hälfte der andern gegenüber." (15,10)
Was beutet dieses seltsame Schlachten?
Das war die gebräuchlichste rituelle Form, einen Bund zu besiegeln. Von diese Praxis leitet sich der hebräische Ausdruck "einen Bund schneiden" ab. Diese blutigen Rituale brachten eine Vernunft und Logik zum Ausdruck. Was mit dem "Schneiden" eines Bundes gemeint ist erklärt Rabbi Nahum Sarna so (Understanding Genesis, NY 1966): "Allgemein wurde geglaubt, dass, wenn die Bundespartner durch die zerteilten Teile hindurchgingen, sie damit die Bundesverpflichtungen akzeptierten und das Schicksal der Tiere auf sich herabriefen für den Fall, dass sie den Pakt verletzten." Mit anderen Worten: durch ihr leibhaftiges Tun erklärten sie: "Sollte ich meinem Bundeseid untreu werden, dann mag mich das gleiche Schicksal treffen wie dieses Tier." Wir können besser verstehen, als Abraham diesen Bund "schnitt", wusste er, was er für ihn und seine unzähligen Nachkommen bedeutete, zu denen auch wir uns als Christen zählen.
Ein Bund wurde gewöhnlich durch den Eid und ein Blutopfer gesiegelt. Doch bis das Opfertier nicht verzehrt war, war das Opfer unvollständig. (vergl. Ehe consumatum)  Diese dritte und letzte Handlung- der Verzehr des Tieres- bezeichnete den Sinn und Zweck des Opfers. Gott selbst hat im AT die Opfer geboten damit diese anschließend bei einem gemeinsamen Mahl gegessen würden. An diesem Mahl teilzuhaben und so Familiengemeinschaft zu erfahren, war Sinn und Zweck des Opfers. Es war gebührende Abschluss  des Famielienvertrags, es war auch der Hauptbestandteil der Paschafeier:
schauen wir auf Jakob und Laban: Gen. 31, 44.54; Auch der Sinaibund fand dadurch seinen Abschluss, dass die erwählten Führer Israels in Gegenwart Gottes Mahl hielten: "Sie durften Gott sehen, und sie aßen und tranken." (Ex. 24, 11)
All diese Mahle verweisen auf die verschiedenen Aspekte des Heiligen Mahles des Neuen Bundes. Sie sind die alttestamentlichen Vorausbilder, die ihre Erfüllung und Vollendung finden in der Hl. Messe, die Jesus beim Letzten Abendmahl einsetzt. Bei diesem Paschamahl bringt Jesus sein Mahl ausdrücklich in Beziehung zum Neuen Bund: Mt. 26, 26-28;  Für Apostel Paulus ist das Mahl mit dem Leib und Blut Jesu der Anfang einer neuen Feier eines neuen Bundes: "Als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden; lasst uns also des Fest... feiern."
(1. Kor. 5, 7) Welches Fest? - Das eucharistische Mahl, das Pascha des Neuen Bundes. Die frühen Christen dachten nicht einmal daran, den Namen des alttestamentlichen Festes abzuändern.
Jesus hat für immer ein Mahl in der Gegenwart Gottes eingesetzt: seine Realpräsenz... Denn die Eucharistie ist das "Herrenmahl." (1. Kor. 11, 20)
Wenn wir zu einem wirklich biblischen Verständnis des Bundes und seiner Sakramente gelangen um deutlicher die Grundlage für den Lobpreis zu erkennen, werden wir begreifen, warum die frühen Christen die Messe als "das Opfer" bezeichneten, das mit dem Blut Christi besiegelt ist. (Didache 14) Wir werden verstehen, warum die Eucharistie immer als ein Mahl und warum die frühchristliche Liturgien in der Form von geschworenen Eiden gefeiert wurden. Dann wird auch verständlich, warum Jesus uns die Feier seines sakramentales Eides- und Opfermahles geboten hat.
Bedenken wir, wie oft Er die Formel "wenn ... nicht" gebraucht: "Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen." (Joh. 3, 5); oder: "Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch." (Joh. 6, 53) Diese Bedingungen des Bundes beziehen sich genauso auf uns heute, wie auf unsere Glaubensvorfahren - ob Abraham am Berg Morija (Gen. 22, 2), Moses am Sinai (31. 16-18) oder Paulus in Korinth (1. Kor. 11, 26-30).
Wenn wir die Sakramente empfangen, schließen wir einen Bund. Wie Abraham, der durch die zerteilten Tiere hindurchging, sollten auch wir in jede Liturgie im vollen Bewusstsein ihrer möglichen Konsequenzen gehen. Wir sollten die Bedingungen des Eides, den wir dabei schwören, kennen und gläubig annehmen. Wir sollten uns des Bundesfluches bewusst sein, damit wir uns um so mehr am Segen des Bundes erfreuen.
Der entscheidende Punkt für Jesus und für alle Christen ist: Wenn wir den Namen Gottes in einem Eid anrufen, wird er selbst in der betreffenden Angelegenheit zum aktiven Partner.


KKK - zeigt uns, wie wir die Treue zu Gott von Tag zu Tag praktisch leben können:
wir dürfen einen Eid niemals für eine Falschaussage missbrauchen (KKK 2150-2152)
wir können als Christen selbst rechtmäßige zivile Eide verweigern, wenn wir bereit sind, die entsprechenden Konsequenzen zu tragen (KKK 2155)
wir sollten Gott nur mit Bedacht zum Zeugen für unser Reden anrufen. Das heißt nicht, ihn aus unserem täglichen Leben auszuschließen. Im Gegenteil: "Sich beim Sprechen nur mit Bedacht des Wortes ´Gott´ zu bedienen, entspricht der ehrfürchtigen Achtung vor seiner Gegenwart, die durch jede unserer Aussagen bezeugt oder verhöhnt wird (KKK 2153)
wir sollten kein Eide schwören, wenn sie von Menschen verlangt werden, die kein Recht dazu haben. Dies schließt im zivilen Bereich die Mitgliedschaft in Geheimbünden, und im sakramentalen Bereich den Empfang von Sakramenten außerhalb der katholischen Kirche mit ein (KKK 2155)
wir dürfen uns niemals unter Eid verpflichten, etwas Schlechtes zu tun. Ein Eid, der von uns eine Sünde verlangt, ist selbst sündhaft und muss verweigert werden
wir sollten nie Flüche oder Fluchworte in den Mund nehmen. Den Namen Gottes sollten wir mit Ehrfurcht und Bedacht aussprechen (KKK 2149)

Denken wir darüber dass Gott sich uns als "unser Vater" offenbart hat. Er erweist sich in der Geschichte der Welt und in der unseres eigenen Lebens wie ein Vater, der seine Kinder züchtigt - (Hebr. 12, 5-11). Paulus fragt: "Weißt du nicht dass Gottes Güte dich zu Umkehr treibt?" (Röm. 2, 4)
Als Jesus in der Bergpredigt sein "Grundsatzprogramm" vorlegt, fasst er das Gesetz des Neuen Bundes in den Seligpreisungen zusammen: "Selig, ihr Armen... Selig, die ihr jetzt hungert... Selig, die ihr jetzt weint (Lk 6, 20-23). Es sind wunderbare Segenszusagen! Wir dürfen doch nicht vergessen, dass Jesus diesen Seligpreisungen gleich anschließend eine Reihe von Fluchworten folgen lässt: "Aber weh euch, die ihr reich sein... Weh euch, die ihr jetzt satt seid... Weh euch, die ihr jetzt lacht (Lk. 6, 24-26).
Ein Bund ohne Flüche ist kein Bund. Für uns moderne Menschen ist es eine nur schwer zu ertragende Wahrheit, die dennoch wahr bleibt: Wir werden den Balsam des Bundessegens nicht erfahren, ohne den Stachel der Bundesflüche zu akzeptieren. Der Bund bleibt eine furchterregende Angelegenheit. Doch die Alternative wäre noch schlimmer; denn sie würde Gott seiner Liebe und uns unserer Freiheit berauben.
Der Glaube der Bundesfamilie Gottes lautet: Christus kommt zu uns mit Segen. Wir stehen da mit Furcht und Zittern. Ein englisches Kirchenlied (4 Jhr.) über diese heilige Ehrfurcht des Bundes dies sehr schön zum Ausdruck bringt:
Alles sterbliche Fleisch schweige, stehend mit Furcht und Zittern, nichts Irdisches betrachtend. Denn mit Segen in Händen steigt Christus, unser Gott, zur Erde hernieder, unsere Ehre und unsern Lobpreis erwartend.



 
 
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