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Entstehung der Novene

Pompejische Novene

Wie hat die Mutter Gottes
die pompejische Novene der Welt gegeben?


Reisen wir zeitlich zum 8. Mai 1884 zurück.
Im Schlafzimmer des ersten Stockes des Palastes Rocco an der Via Settembrini 5 in Neapel ruht im Sessel ein einundzwanzigjähriges Mädchen.
Sie sieht ungewöhnlich ausgezehrt aus.
Auf dem blassen Gesicht sieht man die Spuren
akuter und chronischer Krankheit, die sie bereits
13 Monate lang ans Bett gefesselt hatte. Sie heißt Fortunatina. Dieser Name sollte für die Eltern eine glückliche Zukunft ihrer Tochter erwarten lassen, da es vom lateinischen Wort fortuna, Glück, kommt. Ein großes Glück erwartete das Mädchen in der Tat, jedoch nicht nach den Kriterien dieser Welt.
Das Mädchen wurde großzügig mit seelischen
Gütern beschenkt, sie zeichnete sich durch ihr einfühlsames Herz und wahre Liebe zu Gott und Maria aus. Natina wuchs schnell und gesund heran, als sie jedoch 19 Jahre alt war, bekam sie eine merkwürdiger Krankheit mit Anfällen
und schweres Leid zu tragen. Fortunatina war mit ihrer Verwandten, Almarinda Galassa,
sehr verbunden. Eine Frau ungewöhnlich fromm
und mit tiefen Glauben. Diese starb bei der Verkündigungsfeier im Jahre 1883, indem sie ihre Familie in großer Trauer zurückließ. Sensible Natina empfand diesen Verlust so schwer, dass sie seit diesem Tag ihre Fröhlichkeit nicht wiedererlangte und ihre Jugend im Schatten der Trauer verblühte. Dazu kam noch die schreckliche Krankheit, die sich
mit starken Konvulsionen offenbarte. Sie wiederholten sich jeden Tag um zwei Uhr nachmittags und dauerten ohne Unterbrechung 10 Stunden bis Mitternacht. Am schmerzhaftesten empfand sie aber einen Halskrampf – das Mädchen hatte jeden Abend das Gefühl, als ob sie einen würgenden Kloß im Hals hätte und konnte deshalb kein Wort sprechen. Sie griff sich an Mund und Hals, um sich von diesem Gegenstand zu befreien; warf sich auf dem Bett und schlug so kräftig um sich, dass sie vier Personen nicht festhalten konnten. In diesen Momenten des
Leidens riss sie sich die Haare vom Kopf und versuchte sich selbst und die Anderen zu beißen.
Es verlangte große Vorsicht, damit sich die Kranke nicht selbst oder ihre Pfleger verletzte. Nachdem sie zuerst mit den Händen herumschlug wurde sie sodann total gelähmt und die Zuckungen
kehrten zurück. Das Mädchen litt auch an anhaltenden Kopfschmerzen, Schmerzen in den Beinen und der Bauchhöhle, besonders an der linken Seite des Körpers, und immer
wiederkehrenden Fieberschüben mit Schüttelfrost,
welche ihr Leben zu bedrohen schienen.
Es dauerte bereits ein Jahr, indem ihre Kräfte völlig
aufgezehrt wurden. Die Abneigung gegen Nahrung
schwächte den Magen so sehr, dass sie einige Monate
keine festen Speisen zu sich nehmen konnte und selbst flüssige Nahrung verursachte starke Bauchschmerzen. Es ist verständlich, dass der erbärmliche Zustand der Kranken,
den Eltern und Verwandten viele Sorgen und Kummer bereitete. Alle ließen der Kranken ihren Schutz angedeihen. Es wurde in Traurigkeit auf ein gemeinsames Mittag- und Abendessen verzichtet und eine große Beunruhigung kehrte in der Familie ein. Jeder Versuch, den Schmerz der unglücklichen Natina zu lindern, stellte sich als wirkungslos heraus. Auch die ärztliche Behandlung von Professor Vincent Belmonte brachte der Kranken weder Verbesserung noch die kleinste Erleichterung. Andere Ärzte und Chirurgen wurden ebenfalls herbeigeholt, aber auch diese blieben völlig hilflos. Natina betete oft zur Muttergottes und bat sie um Hilfe. Die Gebete zu Maria von Lourdes, wie sie es bezeichnete, linderten ihr Leid ein wenig, aber nicht völlig. So kam der 16. Februar 1884. Herr Mariano Rosati, eifriger Helfer beim Bau des Gotteshauses, kam zu mir und bat um geweihte Medaillen von der Königin des heiligen Rosenkranzes in Pompeji. Er wollte diese seinem Freund,
Dr. Belmonte, für seine schwerkranke Patientin übergeben.
– Würde die Rosenkranzkönigin Fräulein Agrelli heilen – sagte er mir – würden viele Neapolitaner zu Verehrern werden.
Der Vater der Kranken hatte viele Freunde. Ich möchte auch ein Novenenbüchlein hinzufügen, die Familie soll beten und das Bild der Rosenkranzkönigin übers Krankenbett hängen.
Als Natina das Bild, die Medaille und Novene von ihrem Arzt bekommen hatte, fühlte sie eine Anwandlung
von Liebe und mysteriöses Vertrauen zur Andacht der Rosenkranzkönigin von Pompeji. Gerührt von dem frommen Gefühl verspürte sie den Wunsch, eine Bitte an die Muttergottes zu schreiben. Weil sie sehr schwach war, diktierte sie folgende Wörter: Die schwerkranke Fortunatina Agrelli bat die heiligste Jungfrau Maria von Pompeji um Gesundung.
Wird sie gehört, so verspricht sie, persönlich nach
Pompeji zu kommen, um ihren Dank auszusprechen
und ihrer Kirche eine Gabe zu gewähren.
Herr Roseti hat mir eine Bitte gesendet, um sie auf den Altar zu legen, zu Füssen der Muttergottes von Pompeji. Inzwischen rief Fortunatina die ganze Familie zusammen und begann die Novene mit der Intention der Wiedergesundung.
Der Zustand der Kranken verbesserte sich nicht,
sondern begann sich über Nacht sogar zu verschlimmern, da sie an der Hilfe Marias zweifelte. Zwei Tage nach dem Ende der Novene, begannen wunderbare Erscheinungen, die selbst Fräulein Agrelli ausführlich beschrieb und zahlreiche Zeugen bestätigten, unter anderem ihr Vater, Anwalt Camil Agrelli, Priester Salvator Nisio und Doktor
Vincent Belmonte aus Neapel.

Als am 3. März nach 14 Uhr die Konvulsionen wieder anfingen, welche nach einer Stunde unerwartet nachließen. Concettina, die beim Krankenbett saß, hörte plötzlich
Fortunatinas Stimme, die laut und deutlich die folgenden Wörter aussprach:
– Königin des heiligen Rosenkranzes von Pompeji,
sei mir gewogen!
Das erschreckte Concettina, die sodann begann, der
Kranken aufmerksam zuzuhören. Sie läutete eine Klingel, weil sie wollte, dass auch andere Familienmitglieder zu Zeugen dieses ungewöhnlichen Ereignisses würden. Ihre Mutter, Teresa, kam sofort an, und mit ihr andere Hausbewohner. Concettina war erschrocken und verwundert zugleich, zeigte ihnen nur, dass sie sich lautlos nähern sollten und flüsterte:
– Natina spricht mit der Heiligen Jungfrau!
Alle hörten dem geheimnisvollen Gespräch zu.
Sie hörten nur die Antworten der Kranken und sie konnten die Wörter der unsichtbaren Gesprächspartnerin nicht hören. Sie merkten, dass Natina während des Gespräch etwas an ihrem Hals suchte, als ob sie die Medaille aus Pompeji
in die Hand nehmen wollte.
„Es ist weg!“ – rief sie mit einer kummervollen Stimme.
Dann begann das Mädchen verschiedene Versprechen zu geben, dass sie diese Medaille an ihrem Hals tragen und das Bild über das Bett hängen wird. Zuletzt hörten sie noch folgende Worte: „O Mutter! Lass mich nur noch den Saum deines Gewandes küssen!“. Stille erfüllte den Raum. Fortunatina bekreuzigte sich so ehrfürchtig und mit solcher Bewegungsfreiheit, als ob sie alle Kräfte zurückbekommen hätte. Aber gleich darauf hatte sie wieder Konvulsionen. Fortunatina berichtete später über ihre Vision: Ich lag im Halbschlaf, als mir die Rosenkranzkönigin
eine Erscheinung gewährte.
Als ich sie sah, bekreuzigte ich mich sogleich. Auf dem Schoß der heiligen Jungfrau saß das göttliche Kind und in ihrer Hand hielt sie den Rosenkranz. Sie saß auf einem von kostbaren Edelsteinen schimmernden Throne, rundum mit Engeln umgeben. Auch ein Bruder und eine Schwester von der Gemeinschaft des Heiligen Dominik begleiteten Maria.
Der Thron, die Schönheit Marias und der Glanz des Himmels bezauberten mich. Maria blickte mich mit mütterlicher Zärtlichkeit an. Das hatte mein Vertrauen geweckt und ich flehte zu ihr mit den Worten:
– Königin des heiligen Rosenkranzes, sei mir gewogen, mache mich gesund! Ich habe mich bereits mit einer Novene an dich gewandt, jedoch habe ich deine Gnade noch nicht erfahren.
O Maria, ich möchte so gerne wieder gesund werden!
Da sprach Maria zu mir:
– Kind, du hast mich unter verschiedenen Titeln
angerufen und von mir immer Gnaden erbeten.
Jetzt, da du mich unter dem mir so angenehmen
Titel der Königin des heiligen Rosenkranzes von
Pompeji angerufen hast, kann ich dir die erflehte
Gnade nicht länger versagen, weil mir dieser Name
vor allen andern lieb und teuer ist.


Halte drei Novenen,
erweise mir die Ehre und du wirst gesund.

Nach einer Weile fragte sie mich liebevoll:
– Warum hast du meine Medaille abgelegt?
Ich antwortete, dass es mir weggenommen
wurde und schwörte, dass ich es immer tragen
und das Bild am Kopfende meines Bettes
aufhängen werde.
Ich versprach, wenn ich gesund werden
sollte, werde ich nach Pompeji kommen,
meine Schuhe vor dem Eingang der Kirche ausziehen
und barfuß hineingehen
und vor dem Altar auf die Knie fallen.

Am Ende sagte ich:
– O Mutter! Lass mich nur noch den Saum deines
Gewandes küssen! – Diesen Wunsch erfüllte
Maria aber nicht. Sie verschwand, ich bekreuzigte
mich und ich wurde wieder von Leid umgeben.
Mit dem Glauben, dass die Gebete an Maria
nie erfolgslos sind, begann ich die drei Novenen.

Am Ende der zweiten Novene, am 15. März, er-
schien mir die Heiligste Jungfrau noch einmal.
Ich bin in leichtem Schlaf gesunken und als ich
die Mutter Gottes gesehen habe, begrüsste ich sie
mit den Worten:
Monstrate esse Matrem,
Beweise, dass du die Mutter bist.
Dann fasste ich Mut und begann sie zu bitten:
– O Maria! Zeig mir den Tag, an dem das Leid
mich verlassen wird. Ich habe weder Mut noch
Stärke. O Mittlerin der Gnaden, heile mich!
Die Heiligste Jungfrau, immer lächelnd und
mit fröhlichem Gesicht, antwortete:
– Am Ende des dritten Gebets werden die Konvulsionen aufhören. Alle andere Schmerzen werden am Tag des Rosenkranzfestes im Oktober enden.
Dann segnete sie mich und verschwand und
ich konnte mich nur bekreuzigenen, bevor das
Leid mich ergriffen hatte.
Das alles erzählte ich meiner Familie.

Bald erschien die Heiligste Jungfrau der glücklichen Kranken zum dritten Mal. Ihr Bruder Giuseppe und ihre Schwester Teresa waren dabei anwesend. Die beiden sahen, wie Fortunatina von Konvulsionen in einen Schlafzustand trat. Darauf begann das Mädchen zu gestikulieren und die Röte stieg ihr in das weiße Gesicht, jetzt voll von
Glückseligkeit. Ihre normalerweise schwache und unhörbare Stimme wurde weit vernehmbar. Als die Geschwister das gehört hatten, begannen sie vor Rührung zu weinen. So sagte Fortunatina über das dritte Sehen: Am 26 März, am folgenden Tag nach der Verkündigungsfeier, war ich krank. Die heiligste Jungfrau kam zur gleichen Zeit wie zuvor. Und wie in einem Traum, sagte ich zu ihr:
– Ich begrüße dich, o Maria, Gnadenkönigin,
du bist gebenedeit unter den Frauen.
Wie der Erzengel Gabriel dir den großen Frieden verkündete,
so verkünde jetzt auch mir das Ende meiner Schmerzen.
Ich möchte nicht auf das Rosenkranzfest warten.
Du kannst alles tun, schenke mir früher
die Gnade der Gesundheit. Und die von den Frauen gebenedeite antwortete mit großer Liebe:
Während der letzten Novene wird sich deine
Gesundheit so verschlechtern,
dass der Arzt einen
hoffnungslosen Fall feststellen wird. Und wenn
alle an deiner Gesundung zweifeln werden, solltest
du immer mehr daran glauben. Am 15. August,
bei der Verkündigungsfeier, wirst du völlig gesund.
Als ich das gehört hatte, rief ich mit fröhlicher
Stimme: In te, Domina, speravi, non confundar
in aeternum, An dich, Herrin, glaube ich für alle
Zeiten und ich werde dich nicht enttäuschen. Ich
glaube an deine Worte. Auch wenn ich den Priester
mit den Sterbesakramenten sehen würde,
würde ich meinen Glauben bewahren. Ich weiß,
dass die Mutter Gottes ihre Versprechen erfüllt.

Die Vision ging vorbei. Fortunatina kam wieder zu sich, öffnete die Augen und sah ihre weinenden Geschwister an. Glücklich erzählte sie ihnen über Marias Versprechen. Dann wurde sie wieder von Konvulsionen ergriffen.
Bruder und Schwester erzählten sofort alles den Eltern und
Hausbewohnern und ihren Verwandten und Bekannten.
Alle erwarteten das Versprechen dieser Offerbarung und Fortunatinas Gesundung.
Am 28. März verschlechterten sich wirklich die Leiden der Kranken. Kopfschmerzen und Ermattungen waren so intensiv, dass die Konvulsionen seit 9 Uhr morgens rund
20 Stunden lang dauerten. Sie war in Ohnmacht gefallen und faselte fiebrig; es wurde Hirnentzündung befürchtet. Sie wurde mit kalten Umschlagen belegt und mit anderen bewährten Methoden gepflegt. Nach Mitternacht rief die
Familie den Arzt. Professor Belmonte kam sofort und wendete entsprechende Mittel an. Die Kranke öffnete die Augen und sagte mit schwacher aber klarer Stimme:
– Die heilige Jungfrau hat gesagt, dass sich mein Gesundheitszustand am Ende der dritten Novene verschlechtern wird und dies erfüllte sich. So wird auch meine gesundheitliche Besserung in Erfüllung gehen.

Der 1. April fiel auf einen Dienstag und war der letzte Tag der dritten Novene. Schreckliche Konvulsionen kamen.
Nach eineinhalb Stunden merkte die Mutter der Kranken,
Frau Concetta Zuccala, dass die Kranke sich bekreuzigte.
Sie dachte, dass eine neue Vision anfing,
und rief alle Familienmitglieder zusammen.
– Kommt, Natina spricht mit der Heiligen Jungfrau!
Alle liefen herbei, aber wie zuvor, hörten sie nur die
Antworten der Kranken und sie konnten die Antworten der Muttergottes nicht hören. Als sie wieder zu Bewusstsein gekommen war, beschrieb Fortunatina ihre
Begegnung mit Maria.
Ich habe die Rosenkönigin wieder gesehen. Sie versprach mir, dass diese traurigen Tage zu Ende gehen. Ich habe gesagt, dass heute die ganze Kirche Jesu Christi verehrt und an seine Leiden und seinen Tod erinnert. Dass ich an ihr Versprechen geglaubt und die dritte Novene beendet habe. Maria hat geantwortet, dass an dem Tag, an dem die Kirche sie als Schmerzensmutter verehrt, die täglichen Anfälle aufhören werden und die ganze Familie ihre verlorene Ruhe zurückbekommen werde.
Am Mittwoch in der Karwoche werde ich zum ersten Mal das Bett verlassen und zu Ostern mit der ganzen Familie am Tisch sitzen sowie am 15. August zu Maria Himmelfahrt wird auch
der Rest der Leiden verschwunden sein. Dann ist sie weggegangen. Am Freitag vor dem Palmsonntag, den 4. April, dem Gedenktag der Schmerzen Mariens erwarteten alle Verwandten und Bekannten unruhig die Erfüllung des ersten Versprechens der Rosenkranzkönigin aus Pompeji. „Werden die Konvulsionen sich wiederholen? Wird sich das Versprechen der Muttergottes erfüllen?“ – Diese Fragen waren in aller Munde.
In ihren Herzen kämpfte die Hoffnung mit der Furcht.
Die Zeit war nah, dass das arme Mädchen die schrecklichsten Anfälle bekommen und darin zehn lange Stunden verbleiben sollte. Concettina saß beim Bett der Kranken und ihr Vater kam ungewöhnlich früh nach Hause. Auf seinem Gesicht machten sich Kummer und Unruhe sichtbar.
– Haben die Konvulsionen schon angefangen? – fragte er, als er in die Wohnung trat.
– Noch nicht – wurde geantwortet. – Wer weiß, ob das Wunder sich erfüllen werde.
Die Uhr im Schlafzimmer der Kranken zeigte Viertel
nach eins. Die Augen der im Nebenzimmer Versammelten konnten durch die geöffnete Tür das Ziffernblatt genau erkennen. Stille herrschte in dem Raum und steigerte die Anspannung im Laufe der Zeit. Die Uhr schlug zwei! Der Uhrzeiger rückte voran aber der Anfall trat nicht ein. Mit jede vergangenen Minute schlugen die Herzen aller Anwesenden immer schneller und niemand konnte seine Rührung verbergen. Eine Viertelstunde ist vergangen... Die Konvulsionen kamen nicht. Die Gäste rannten zu der Kranken. Natina weinte und lächelte gleichzeitig. Beiderseitige Freude kehrte ein. Nur der Vater hatte nicht den Mut, ins Zimmer zu kommen. Er glaubte nicht an das Wunder und fürchtete, dass alles nur eine Illusion war. „Wer weiß, ob die Krankheit nicht doch in einer Stunde wieder zurückkommt?“ – dachte er. Bis zum Nachmittag brachte er den Mut zur Begegnung mit seiner Tochter nicht auf. Aber als sich ihr Zustand nach weiteren Stunden nicht verschlimmerte, war er nicht mehr imstande sich länger zurückzuhalten und trat ins Schlafzimmer ein. Die Rührung verschlug ihm die Sprache und trieb ihm Tränen in die Augen. Er saß auf dem Bett und sprach kein Wort, er schaute nur weinend auf das geliebte Kind. Um 3. Uhr sagte Fortunatina mit gesunder Stimme zu ihre Schwester: – Wir sollten eine Danksagungsnovene zur Rosenkranzkönigin halten! Die Kerzen vor dem Marienaltar wurden entzündet und die Novene gebetet.
Das Herz und der Geist Natinas waren mit Dankbarkeit und Liebe
zur Himmelskönigin erfüllt. Ihr einziger Wunsch war nun die Danksagung. Die Zeit verging sehr schnell und die Tage schienen zu kurz. Es kam der Mittwoch in der Karwoche. Natina verlies zum ersten Mal nach langer Zeit das Bett. Während der Ostertage saß sie mit der ganzen Familie glücklich am Tisch.
So erfüllten sich alle Versprechen für den 4. April.

Zwei Wochen gingen vorbei.
In der Nacht vom 19. auf den 20. April schlief Fortunatina ein und sah wieder die Rosenkranzkönigin aus Pompeji.
Diese Vision ermutigte sie.
– Heiligste Jungfrau von Pompeji, ich möchte nicht
mehr bis zum 15. August warten, um gesund zu werden!
Die Trösterin der Betrübten hörte Natinas Bitte an, weil sie das Mädchen besonders mit ihrem Schutzmantel umhüllt hatte.
– Weil du deine Krankheit nach Gottes Willen ertragen hast, wird er dir auf meine Bitte seine Gnade erweisen. Du wirst am 26. Tag diesen Monates von deiner Lähmung geheilt. Am 30. April werden alle anderen Schmerzen aufhören.
Wenn du dann wieder laufen kannst, knie nieder und bete dreimal das Ave Maria zur Danksagung. Und bevor der Monat Mai zu Ende geht, wirst du das Haus verlassen. Bevor sie fortging, fügte sie mit einer wohlwollenden und gütigen Stimme hinzu:

Wer auch immer Gnaden von mir erhalten will, halte zu meiner Ehre drei Novenen mit dem Gebet der fünfzehn Geheimnisse des heiligen Rosenkranzes und danach drei Novenen zur Danksagung.

Am 26. April, dem Fest der Mutter vom guten Rat, um 3 Uhr morgens hörte die Lähmung völlig auf, welche von der Medizin nicht geheilt werden konnte. Fortunatina Agrelli litt daran ein Jahr und zwei Wochen ohne Unterbrechung. So erfüllte sich das Versprechen der heiligen Jungfrau. Concettina, die ständig bei ihrer Schwester wachte, benachrichtigte sofort die Eltern darüber. Der Vater, plötzlich von den fröhlichen Ausrufen aufgeweckt, sprang voller Freude aus dem Bett und war in tiefster Dankbarkeit gegenüber der Muttergottes. Er fiel auf die Knie, küsste den Fußboden und rief mit Tränen in den Augen:
– O Gott und Herr, ich danke dir für dieses Wunder!
Heilige Jungfrau aus Pompeji, du hast mir meine Tochter neu geschenkt! Nach dem Versprehen Marias,
hörten am 30. April alle anderen Schmerzen auf.

Es kam der Monat Mai. Fortunatina war zwar gesund, aber so von der Krankheit geschwächt, dass sie sich nicht aufrichten oder ohne Stock stehen konnte. Wenn sie auf einem Stuhl saß blieb ihre Gestalt gebeugt. In den ersten Tagen des Mai verließ sie das Bett für zwei bis drei Stunden, ansonsten saß sie nur da. Vom Zimmer auf die Terrasse zu kommen um frische Luft zu atmen, mussten sie zwei Personen stützen und sie musste auch etliche Male ausruhen. Bis zum lange erwarteten achten Tag des Monates Mai waren „Die Bittgebete an die mächtige Rosenkranzkönigin von Pompeji“ Fortunatina schon gut bekannt. Dieses Gebet halten am 8. Mai mittags alle Verehrer und Verehrerinnen der Rosenkranzkönigin auf der ganzen Welt und es erwirkt unzählige Gnaden beim Herzen der Gottesmutter. Natina war wie immer aufgestanden, und mit Hilfe ihrer Schwester saß sie im Schlafzimmer und wartete auf die Gebetsstunde. Sie sagte:
– Die selige Jungfrau wird mir heute mit Sicherheit helfen, weil ich gelesen habe, dass sie an diesem Tag immer Gnaden spendet. Sie schaute das Bild aus Pompeji an, das an der gegenüberliegenden Wand hing und vor dem seit dem Morgen
zwei Kerzen brannten. Der zu Mittag abgefeuerte Kanonenschuss fand einen starken Widerhall im Herzen des Mädchens. Das war die seit Langem erwartete Stunde des Bittgebetes. Im selben Augenblick kniete Concettina vor dem Bild und begann das in aller Welt bekannte Gebet „Königin der Siege Gottes“ mit ihre Tante zu beten. Danach verließen sie den Raum und Natina blieb allein auf dem Stuhl in der Nähe der Balkontür. Ihre Seele war voll von Hoffnung und Vertrauen zu Marias Worten, dass sie im Mai selbst das Haus verlassen könne. Sie wollte sich nun davon überzeugen, ob sie die schon so lange versprochene Gnade bekam.
Sie stand von dem Stuhl auf und... sie stand gerade! Sie wurde von dieser Überraschung ergriffen und ihr Herz begann schneller zu schlagen. Sie versuchte einige Schritte zu machen, und bemerkte, dass es ihr keine Schwierigkeiten mehr bereitete. Die Gesundung erfolgt zweifellos im Handumdrehen. Ihre Seele wurde von Dankbarkeit und Frieden erfüllt. Es fiel ihr ein, was die heilige Jungfrau zu ihr sagte: „Wenn du wieder laufen kannst, knie nieder und bete dreimal das Ave Maria zur Danksagung“. Ihre ersten Schritte
ging sie also zum Bild Marias. Mit Rührung kniete sie dort und sagte weinend die Gebete. Dann stand sie auf und ging zur Familie um sie über das Wunder zu informieren. Es ist schwer zu beschreiben welchen Eindruck das vor kurzem bewegungsunfähige Mädchen auf ihre Verwandten machte.
Mit großer Freude wurde gerufen:
„Das ist ein echtes Wunder! Echtes Wunder!“.
Für Natina sah es so aus, als ob sie ihre Geistesgegenwart verlor und sie wusste nicht, ob das alles eine Illusion war.
Sie ging im Raum hin und her und probierte, ob sie wirklich gesund ist. Seit diesem Moment fühlte sie sich frei.
Das wussten alle, die sie besuchten.

Dass, was die Muttergottes ihr versprach, empfing sie in derselben Reihenfolge. Sie wurde gesund und auf ihrem Körper blieb keine Spur der Krankheit. Sie wurde ein lebendes Zeugnis vom Wunder der Himmelskönigin, die mit Freude die hochachtungsvolle Verehrung annimmt, welche ihr die Gemeinde unter dem Titel der Rosenkranzkönigin von Pompeji schenkt.

Am nächsten Tag schrieb Fortuna Agrelli
die ganze Geschichte der außerordentlichen Gesundung,
die sich am 8. Mai 1884 erfüllte.

Zwei Tage später konnte sie normale Nahrung zu sich nehmen. Auf ihrem Gesicht blieb keine Spur der Krankheit. sie konnte die Treppe hinein und hinaus gehen und laut dem Versprechen konnte sie noch im Mai das Haus verlassen.
Am 18. Juni 1884 kam die Geheilte nach der Valle di
Pompeji mit der ganzen Familie, um dort das Zeugnis des Wunders zu geben.
Zu dieser Zeit wurden noch keine öffentlichen Gottesdienste in der neuen Kirche gehalten und es gab dort auch noch keinen Altar. Das wunderbare Gemälde hing in der Kapelle, das an dem neuen Gotteshaus angebracht war und das heute der heiligen Katharina von Siena gewidmet ist. Das glückliche Mädchen kam barfuß in die Kapelle, kniete vor dem Altar der Rosenkönigin nieder, ging zur heiligen Kommunion und erfüllte alle ihre Versprechen mit einer Spende an die Kirche. Mit ihr knieten auch alle ihre Verwandten, die ihre Freudentränen nicht zurückhalten konnten.
Danach hat mich ihr Vater besucht, er konnte vor lauter
Rührung kein Wort sprechen.

Als Bestätigung dieses Wunders unterschrieben das  Zeugnis unter anderem Priester Nisio, Bischof von Amorio, Professor Doktor Vincent Belmonte aus Neapel und weitere Personen, die Natina während ihrer Krankheit besuchten und die Zeugen ihrer wunderbaren Heilung wurden.

 
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